Industrie-Ampel: Wir machen ungesunde Lebensmittel gesund

Der beliebte Nuss-Nougat-Brotaufstrich Nutella aus dem Hause Ferrero stand in den letzten Tagen massiv in der Kritik und hat sogar einen wahren Shitstorm verursacht. Der Grund: der Kakaoanteil wurde reduziert und durch das Magermilchpulver ersetzt. Oder anders ausgedruckt: der teure Kakao wurde durch das günstigere Milchpulver ersetzt, wodurch die Gewinnmarge am Produkt gestiegen ist.

Ungesund!

Zwangsläufig ist durch den erhöhten Milchzuckeranteil der Gesamtzuckeranteil gestiegen. Allerdings lediglich um 0,4% von 55,9% auf 56,3%. Jeder, der Nutella liebt, wird um dessen gesundheitlichen Beitrag dieser Nascherei wissen. Denn neben 56,3% Zucker enthält Nutella 30,9% Fett.

Das heißt, dass 87,2% der Nutella aus Zucker und Fett bestehen und lediglich 12,8% des Brotaufstrichs eine Chance haben, dem Körper das zu geben, das allgemeinhin als wertvoll verstanden wird.

Nur nebenbei bemerkt haben unsere Nutella-Junkies keinen geschmacklichen Unterschied obgleich der Rezepturänderung geschmeckt.

 

Die Industrie-Ampel

Nun muss die Nutella in unserem Artikel nochmals dafür herhalten, um zu zeigen, wie die Lebensmittelindustrie die Verbraucher veräppeln möchte. Verbraucherschützer fordern schon seit geraumer Zeit die Einführung einer Lebensmittel-Ampel, um den Kunden zu signalisieren, ob ein Produkt nur in Maßen genossen werden soll.

Bei diesem Zucker und Fettanteil sollte man meinen, dass die Ampel auf rot schlägt.

Tut sie aber nicht. Die Industrie versucht nun den Spieß umzudrehen. Durch einen einfachen Trick, der jetzt schon Anwendung findet.

Für den Verbraucher sind ausschließlich die Nährwertangaben interessant, die sich auf 100g des Produkt beziehen! Allerdings schreiben die Hersteller auch immer Portionsgrößen auf und beziehen die Nährwertangaben auf eine erwachsene Mischperson, bestehend aus Mann und Frau.

Das mag zwar im Sinne der Genderdiversität sein, hilft bei der Ernährung wenig weiter. Es fehlt damit nämlich jeglicher Bezug und somit jegliche Vergleichbarkeit. Und es ist klar. Wer nur 15g Nutella auf sein Brötchen schmiert, der nimmt eine weniger große Menge an Fett und Zucker zu sich und somit auch nicht zu viel Nährstoffe am Tag. Also schlägt die Ampel auf “Gelb”.

 

Erklärung

Auf der Website https://enltool.azurewebsites.net/ kann jeder Verbraucher (oder Hersteller) die Nährwertangaben eingeben und erhält das Ergebnis für die Industrie-Ampel. Auf unserem Bild das rechte für eine 15g Portion Nutella. Das ist die Menge, die in den kleinen Päckchen in Restaurants, Frühstücksbuffets oder Raststätten enthalten ist.

In Großbritanien und Irland ist man weiter, denn dort wird auch die Menge von 15g ihrem Inhalt entsprechend mit rot gekennzeichnet.

Das Ziel ist klar: das rechte Bild soll suggerieren, dass Nutella ja gar nicht so schlimm ist, wie alle sagen.

Es wäre sehr bedauerlich, wenn dieses Ampelsystem in Deutschland bzw. Europa eingeführt wird. Als Verbraucher muss man in jedem Fall immer mehr darauf achten, was im Einkaufskorb landet. Denn der Verbraucher darf nie vergessen: Die Lebensmittelindustrie legt Wert darauf, ihre Gewinne zu maximieren und nicht darauf, dass die Familie sich ausgewogen ernährt.

 


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