Die DGM bietet an, in zwei Wohnungen in Freiburg zahlreiche behindertengerechte Einrichtungen zu testen. Ich habe Anfang April dieses Angebot mit der kleineren der beiden Wohnungen genutzt und habe mich ein wenig schlauer gemacht. Dabei bin ich als Rollifahrer ohne Assistenz angereist, denn ich lege viel Wert auf Autonomie und eine eigenständige und unabhängige Lebensweise, solange es noch geht.
Die Wohnungen wurden anno 2000 eröffnet und haben ein entsprechendes Alter. Allerdings werden die Wohnungen regelmäßig angepasst und aktualisiert, so dass sich hier neuer mit alter Technik vereint. Und auch wenn so manches heutzutage eleganter gelöst wird (weil es modernere Antriebe und Sensoren gibt), so bleibt das Prinzip oftmals gleich.
Die Wohnung verfügt über ein Schlafzimmer, ein Duschbad und eine Wohnküche. Im Flur werden die ersten Wohnbeispiele gezeigt, denn für jeden Raum wurde eine andere Türe verwendet. Folgend zeige ich die jeweiligen Zimmer und erkläre kurz, was dort genutzt bzw. getestet werden kann.
Die Zimmer: Das Schlafzimmer
Das Schlafzimmer verfügt über ein Pflegebett mit den klassischen Funktionen, die vermutlich jeder kennt. Es gibt in einer Kommode ein zweites Bett, wobei hier zu brücksichtigen ist, dass es dann etwas enger in dem Zimmer wird. Wer gar nicht mehr gehen kann, sollte vorab die Maße erfragen, ob der Rolli dann noch in dem Zimmer vernünftig benutzt werden kann.
Es gibt zudem einen Kleiderschrank mit einer herausfahrbaren Kleiderstange sowie ein höhenverstellbares Regal. In diesem Zimmer gibt es zudem ein Fenster, dass elektrisch gekippt werden kann.
Die Zimmer: Das Bad
Das Bad verfügt über einen höhenverstellbaren Duschsitz, ein höhenverstellbares Waschbecken und ein höhenverstellbares Dusch-WC. Als Rollstuhlfahrer stelle ich mir den Duschsitz und das Waschbecken ein Mal ein und gut ist.
Wenn mehrere Personen anwesend sind, dann kann das Waschbecken individuell verstellt werden. Je nach Behinderung kann der höhenverstellbare Duschsitz beim Aufstehen helfen, wenn er dafür hochgefahren wird. Genau in die andere Richtung geht es, wenn das WC heruntergefahren wird, um in eine anatomisch sinnvollere Sitzposition zu gelangen. Zum Umsetzen wird der Sitz dann wieder hochgefahren.
Das WC ist multifunktional mit Bidet-Funktion und sehr angenehm. Es zeigt aber auch, wie wuchtig ein solches WC ist.
Diese drei kleinen Beispiele zeigen schon, wie unterschiedlich Hilfsmittel in Abhängigkeit der individuellen Behinderung genutzt werden.
Etwas merkwürdig wurde die Duscharmatur gewählt. Denn die Wassertemperatur wird nicht an der Mischbatterie eingestellt, sondern an dem Regler weiter links vom Sitz. Hier braucht man schon einiges an Rumpfstabilität und lange Arme, um die Temperatur auf dem Duschstuhl sitzend zu ändern.
Die Zimmer: Die Wohnküche
In der Wohnküche gibt es eine Couch und einen Liegesessel (der allerdings noch im Jahre 2026 gegen ein neueres Modell ausgetauscht werden soll). Zudem einen kleinen Tisch, der in der Höhe eingestellt werden kann. Das allerdings nicht elektrisch, sondern über Fußverlängerungen. Da Rollstuhlfahrer meist höher sitzen, macht die Erhöhung des Tisches durchaus Sinn, auch wenn dieser dann nicht mehr ideal als Fußgänger genutzt werden kann.
Die Arbeitsplatte ist unterfahrbar und höhenverstellbar. Eine Funktion, die ich sehr genossen habe, wobei die Arbeitsplatte immer an oberster Position stand. Hier habe ich natürlich nicht dauernd die Platte hoch- und runtergefahren. Aber das Unterfahren war schon angenehm. Allerdings fehlen natürlich dann die Unterschränke. Das wurde in der Probewohnung durch zwei Rollcontainer gelöst, die sich einfach hin- und herrollen lassen.
Von den Oberschränken ist einer absenkbar. Auch das fand ich sehr angenehm, mal den Schrank nach unten zu fahren, damit ich ohne mich zu verrenken an das Geschirr komme. Zu Hause mache ich es anders herum. Da verfüge ich über einen Stehrollstuhl und komme entsprechend hoch. Außerdem haben wir es zu Hause so gelöst, das wir Unterschränke haben, an die ich problemlos herankomme.
Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, was ihm wichtiger ist. Unterfahrbare Arbeitsplatte oder der Platz für die Unterschränke. Bei kleineren Küchen würde ich persönlich immer zu den Unterschränken raten.
In der Küche gibt es noch eine kleine Spülmaschine, eine Pad-Kaffeemaschine (eine neuere Senseo, die auch heißen Kaffee machen kann), eine kleine Kühl-Gefrierkombination und eine Mikrowelle mit Grillfunktion. Während die Spülmaschine im Betrieb relativ leise ist, so ist der Kühlschrank doch recht laut (obwohl er von Liebherr ist).
Das Geschirr gibt es in einer leichten Version (die nicht mikrowellengeeignet ist) und einer „normalen“ Porzellan-Version. Auch gibt es einige Kleinigkeiten an alltäglichen Hilfsmitteln wie Besteck und Trinkgefäße, die hier getestet werden können. Grundsätzlich ist ausreichend viel Geschirr für zwei Personen vorhanden.
Die Zimmer: Der Flur
Ich führe hier den Flur mit auf, weil dieser ebenfalls eine Besonderheit hat. Neben der elektrischen Kleiderstange (Vorsicht, der Schalter befindet sich an der falschen Seite) werden hier unterschiedliche Konzepte für Wohnungstüren gezeigt. So gibt es eine Schiebetüre, eine Falttüre und eine platzsparend öffnende Türe. Alle drei Konzepte haben ihre Vorteile und sind alle besser als übliche Wohnungstüren. Es ist allerdings klar, dass man als Mieter für gewöhnlich keine Wohnungstüren austauscht.
Weitere Ausstattungen
Die Probewohnungen zeigen aber noch mehr Ideen. So ist die Haustüre elektrisch und kann über verschiedene Möglichkeiten geöffnet werden. Der Aufzug verfügt über einen Sensor und wird automatisch gerufen, sobald man sich der Türe nähert. Das Türschloss der Wohnungstüre ist elektrisch und die Türe springt auf. Sie ist allerdings nicht elektrisch zu öffnen und schließen, verfügt aber über einen Griff an der Außenseite, was das Schließen merklich erleichtert (auch eine Idee, die sich vermutlich in einer Mietwohnung nicht so gut umsetzen lässt).
In der Wohnung werden unterschiedliche SmartHome-Systeme gezeigt, womit sich die Rollläden, das Licht und die Heizungen steuern lassen. Ein Fenster im Schlafzimmer kann zudem elektrisch gekippt werden. Was fehlt sind Fenster-Kontakte, mit denen die Heizungen abgestellt werden können, wenn diese geöffnet werden.
Das WLAN kann ohne Mehrkosten mitgenutzt werden, ist aber nicht sonderlich schnell. Wer gerne Filme schauen möchte, sollte die am besten vorher auf seinen Rechner oder Tablet herunterladen.
Sonstiges
Für die Wohnungen gibt es einen zweitägigen Mindestaufenthalt. Die Wohnungen sind für Menschen mit Behinderung vorbehalten, die gerne austesten möchten, was möglich ist und wie der Alltag erleichtert werden kann. Auf der Seite der DGM kann die Auslastungen der Wohnungen eingesehen werden. Die Kosten für den Aufenthalt richtet sich nach der DGM-Mitgliedschaft und den individuellen finanziellen Möglichkeiten.
Selbstverständlich kann der Aufenthalt in der Probewohnung auch für einen Kurzurlaub genutzt werden. Man ist in ca. 20 Minuten in der Freiburger Innenstadt. In einem Radius von einer Autostunde finden sich viele Ausflugsziele und auch wer mit dem ÖPNV angereist ist, findet Möglichkeiten die Gegend zu erkunden.
Es heißt, wer mit einer chronischen seltenen neuromuskulären Erkrankung lebt, muss für diese selbst zum Experten werden. Es gibt aber auch viele Überschneidungen zu anderen Erkrankungen, weshalb ich alle Beiträge, die im Zusammenhang mit meiner Erkrankung entstanden, auf einer eigenen Seite zusammengestellt habe. Dort beschreibe ich nicht nur den Weg zur Diagnose und wie sich die CMT äußert, sondern auch, wie ein Schwerbehindertenantrag beantragt wird, welche Stolpersteine der Alltag und die Berufswelt für behinderte Menschen bereithält und ich gehe das ganz große Thema Hilfsmittel an. Wie finde ich das passende Hilfsmittel und wie beantrage ich es?

Schon seit Anbeginn des Internets pflegte Eng einen Blog. Und weil es ihm Spaß macht, seine Erfahrungen zu teilen, sind es immer Mischblogs, so wie dieser hier.
Seitdem seine neuromuskuläre Erkrankung einen deutlich größeren Einfluss auf sein Leben hat, befinden sich neben den Beiträgen zur Fotografie, Aquaristik, Reisen, Verbraucherschutz und Technik auch Beiträge zu Gesundheitsthemen auf diesem Blog.
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