Das erste Handy & die Bildschirmzeit

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»Alle haben Han­dys! Ich möch­te auch eines haben!« Die­sen Satz hören Eltern sehr oft. Wir haben die Vari­an­te ken­nen­ge­lernt, dass nicht alle Mit­schü­ler ein Han­dy besa­ßen und auch in der Schu­le kei­nes dabei hat­ten (in den Schu­len gibt es in den Unter­stu­fen sowie­so ein rigo­ro­ses Han­dy­ver­bot). Spä­ter haben wir erfah­ren, dass die Kin­der zu Hau­se Tablets zur Ver­fü­gung hat­ten. Klar, tele­fo­niert wird heut­zu­ta­ge sowie nicht mehr. Also soll­te man die Fra­ge ein wenig aus­wei­ten.

Mit wel­chem Alter soll­te ein Kind ein Han­dy oder Tablet erhal­ten? Das ist umstrit­ten und mei­nes Erach­tens vom Kind und der Fami­li­en­dy­na­mik abhän­gig. Ich den­ke, dass der Wech­sel in die wei­ter­füh­ren­de Schu­le ein guter Zeit­punkt ist. Ich den­ke, dass Grund­schü­ler kein eige­nes Han­dy besit­zen soll­ten, son­dern »nur« die End­ge­rä­te der Eltern mit­nut­zen.

Bei ande­ren Gerä­ten ist es sowie­so etwas ande­res, aber Eltern soll­ten immer Blick haben, was Kin­der mit den Spie­le­kon­so­len oder Note­books oder sons­ti­gen Rech­nern anstel­len. Oft­mals gibt es auf den Gerä­ten eige­ne Brow­ser, mit denen die Kin­der frei im Inter­net sur­fen kön­nen.

Die all­ge­mein defi­nier­ten Emp­feh­lun­gen für Bild­schirm­zei­ten sind für gewöhn­lich sehr weit von der Rea­li­tät ent­fernt. Der freie Zugang zu den Gerä­ten ist das ande­re Extrem. Die »Wahr­heit« liegt wie so oft dazwi­schen. Hier eine rea­lis­ti­sche­re Emp­feh­lung, wobei zwi­schen wochen­tags und Wochen­en­de unter­schie­den wer­den kann.

  • Kin­der unter 3 Jah­ren soll­ten noch nicht auf Bild­schir­me schau­en, auch nicht im Bei­sein der Eltern.
  • 3 bis 6 Jah­re: wochen­tags 30 min Wochen­en­de 45 min
  • 6 bis 8 Jah­re: wochen­tags 45 min Wochen­en­de 60 min

Kin­der bis zu einem Alter von 8 Jah­ren soll­te nur im Bei­sein der Eltern Bild­schir­me nut­zen. Dabei reicht es, in Hör­reich­wei­te zu blei­ben, wobei natür­lich auch mit­be­kom­men wer­den soll­te, was das Kind kon­su­miert.

  • 8 bis 10 Jah­re: wochen­tags 45 min Wochen­en­de 90 min (ab die­sem Alter kön­nen Kin­der am Wochen­en­de auch mal einen Film schau­en)
  • 10 bis 12 Jah­re: wochen­tags 60 min Wochen­en­de 90 min

Bis zum Alter von 12 Jah­ren ist es von der App und den gezeig­ten Inhal­ten abhän­gig, ob Eltern dabei sein soll­ten oder nicht.

  • 13 bis 14 Jah­re: wochen­tags 120 min Wochen­en­de 150 min
  • 15 bis 16 Jah­re: wochen­tags 150 min Wochen­en­de 180 min

Es gibt natür­lich immer Aus­nah­men, vor allem, wenn Fil­me oder Seri­en geschaut wer­den. Hier macht es wenig Sinn, dem Kind das Ende eines Films zu ver­weh­ren, nur weil die Zeit um ist.

Bei älte­ren Kin­dern ent­fällt die Limi­tie­rung all­mäh­lich und es ver­bleibt die Hoff­nung, dass die Kin­der bis dahin gelernt haben, ihre Nut­zungs­zeit nicht über ande­re Akti­vi­tä­ten des Lebens zu stel­len.

Wenn die Nut­zung der Smart­phones nicht abnimmt, der kann mal aus­pro­bie­ren, ob nicht die Umschal­tung auf den Schwarz­weiß-Modus hilft. Das Eltern­teil kann gern ein Selbst­ex­pe­ri­ment star­ten, um zu schau­en, wel­che Aus­wir­kun­gen das Umschal­ten auf das eige­ne Nut­zungs­ver­hal­ten hat.

Womit man Kin­der eben­falls zur Weiß­glut brin­gen kann, ist die War­nung bei zu gerin­gem Bild­schirm­ab­stand. Hier gibt das Smart­phone einen Hin­weis, wenn der Abstand zum Gerät unter 30 Zen­ti­me­ter sinkt. Kin­der hal­ten sich die Gerä­te für gewöhn­lich deut­lich näher an die Nase, was die Gefahr ver­grö­ßert, an einer Kurz­sich­tig­keit zu erkran­ken.

Die Dis­kus­si­on um die Strah­lung der Smart­phones hat sich bekannt­lich gelegt und kei­nes der Hor­ror-Sze­na­ri­en, was die Han­dy­strah­lung nicht alles ver­ur­sa­chen könn­te, hat sich bewahr­hei­tet. Den­noch macht es Sinn, wenn die Han­dys über Nacht nicht in den Schlaf­zim­mern ver­blei­ben, denn die Ver­lo­ckung ist zu groß, die Gerä­te unter der Bett­de­cke zu nut­zen.

Eine gute Metho­de, um die Han­dys aus den Schlaf­zim­mern zu ver­ban­nen, ist das Fami­li­en­la­de­ge­rät im Wohn­zim­mer, an dem auch die Smart­phones der Eltern hän­gen. Vor Akku­schä­den braucht kei­ner mehr Sor­ge haben, da die Smart­phones mer­ken, wenn sie über Nacht gela­den wer­den und laden das Gerät ent­spre­chend die­ser Rou­ti­ne. Und wer mit der Aus­re­de kon­fron­tiert wird, dass das Smart­phone als Wecker benutzt wird, der soll­te statt­des­sen dem Kind und sich selbst einen Wecker kau­fen.

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