Der Scewo Bro im alltäglichen Einsatz – Teil 6: Treppen

Zum Schluss mei­ner Erfah­run­gen die Königs­dis­zi­plin des Sce­wo: Der Trep­pen­mo­dus. Natür­lich kann der Sce­wo nicht alle Trep­pen meis­tern, so dass es hier die ers­ten Ein­schrän­kun­gen gibt. Die Trep­pe darf nicht zu hohe Trep­pen­stu­fen haben, sie darf nicht zu steil sein, sie darf nicht mit Stu­fentep­pi­chen ver­se­hen sein, sie darf nicht ver­eist sein, sie darf nicht nass sein, es darf kei­ne Wen­del­trep­pe sein, sie darf nicht abge­tre­ten sein.

Das sind ganz schön vie­le „darf nicht“. 

Aller­dings sind eini­ge Ein­schrän­kun­gen logisch, denn wenn der Sce­wo auf einer Trep­pe steht, dann steht er auf den Rau­pen, die abge­run­de­te Nop­pen haben. Die­se dür­fen nicht ins Rut­schen gera­ten. Vor allem in älte­ren Gebäu­den sind die Trep­pen­stu­fen abge­tre­ten, wodurch der Sce­wo kei­nen Halt fin­det. Das gilt auch für Alt­bau­ten. Wenn man also Kun­den (oder Freun­de) in älte­ren Gebäu­den besucht, dann muss man sehr auf­pas­sen, wie stark die Trep­pen abge­lau­fen sind. 

In der Bedie­nungs­an­lei­tung des Bro emp­fiehlt der Her­stel­ler, dass man sich vor dem Befah­ren von einer mit Tep­pich über­zo­ge­nen Trep­pe kun­dig machen soll, ob die­se den erhöh­ten Bean­spru­chun­gen stand­hal­ten kann. Wie ich dies in Erfah­rung brin­gen kann, konn­te mir bis heu­te nie­mand sagen.

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Wer mit dem Sce­wo eine Trep­pe fährt, muss schon Gott­ver­trau­en in die Tech­nik haben. Man sitzt näm­lich sehr hoch und sieht nicht, was der Roll­stuhl macht. Außen­ste­hen­de erken­nen die Rau­pen und Hilfs­rä­der. Der Nut­zer hat ledig­lich Indi­ka­to­ren, die er beach­ten muss.

Zudem kann es immer pas­sie­ren, dass eine Nop­pe durch­rutscht. Bis­her ist mir dabei nichts pas­siert und es fühlt sich ganz schön unan­ge­nehm an. Auch kann es pas­sie­ren, dass der Sce­wo leicht ver­setzt die Trep­pe hoch­fährt und dann zu schräg steht. Das kann man aus­glei­chen, aber auch das ist alles ande­re als ein schö­nes Gefühl.

Manch­mal rutscht die Nop­pe nur einer von bei­den Rau­pen durch. Dadurch kommt der Bro leicht ins Rut­schen und steht dann schief bevor es wei­ter­geht. Ich habe zwei sol­cher Situa­tio­nen auf Video gebannt und dem Ser­vice von Sce­wo zuge­sandt. Dort war man bis heu­te über die­ses Ver­hal­ten rat­los. Genau­er anschau­en woll­te sich der Ser­vice die­ses Ver­hal­ten lei­der nicht.

Zum Rau­pen­mo­dus gab es in Q2 2024 ein Update. Der Bro ver­sucht nun, sich immer auto­ma­tisch par­al­lel aus­zu­rich­ten. Wenn er also auf einer Nop­pe durch­rutscht (was mei­nem Gefühl nach zu häu­fig pas­siert) und sich dadurch leicht quer­stellt, arbei­ten direkt meh­re­re Moto­ren, um den Bro wie­der par­al­lel zur Trep­pe aus­zu­rich­ten. Gleich­zei­tig wird aber auch immer der Sitz mit bewegt und neu aus­ge­rich­tet. Ich hal­te vor Schreck nun immer an und tas­te mich vor­sich­tig an die neue Posi­ti­on her­an, bevor es auf der Trep­pe wei­ter­geht. Denn nicht immer gelingt es der Soft­ware, der Bro wie­der aus­zu­rich­ten und ich muss doch hän­disch nach­jus­tie­ren.

Der Sce­wo ist also für „nor­ma­le gera­de Trep­pen“ gedacht, so wie sie in vie­len Häu­sern zu fin­den sind. Ich selbst habe immer noch gro­ßen Respekt dafür, eine Trep­pe von oben anzu­fah­ren, was dar­an liegt, dass der Sce­wo nach vorn rollt, wenn der Schwer­punkt ver­la­gert wird. Der Sce­wo macht näm­lich vor einer Stu­fe im Fahr­mo­dus nicht halt (wie soll­te er auch sonst einen Bord­stein run­ter­kom­men?). Man kann zur Not eine Trep­pe quer anfah­ren und den Roll­stuhl dann im Trep­pen­mo­dus dre­hen.

Es dau­ert dann sei­ne Zeit, bis eine sol­che Trep­pe gestie­gen wird. Natür­lich ist dies noch immer bes­ser als kei­ne Trep­pe bewäl­ti­gen zu kön­nen.

Die Stär­ken des Trep­pen­mo­dus hat der Sce­wo vor allem im öffent­li­chen Raum, wenn z.B. mal wie­der ein Auf­zug aus­ge­fal­len ist oder grö­ße­re und klei­ne­re Stu­fen das Wei­ter­kom­men erschwe­ren.

Wer denkt, dass er mit einem Sce­wo mehr Freun­de, Bekann­te, Kun­den, Restau­rants usw. besu­chen kann, muss berück­sich­ti­gen, dass die Ört­lich­kei­ten am obe­ren Ende der Trep­pe nicht bar­rie­re­frei gestal­tet sind und der Sce­wo natür­lich sei­ne Grö­ße hat. Das kann in beeng­ten Woh­nun­gen einer Groß­stadt zu einer Her­aus­for­de­rung wer­den. Vor allem bei Freun­den ist es von Belang, dass über die Rau­pen recht viel Dreck in die Woh­nung trans­por­tiert wird.

Der Sce­wo Bro ist ein klei­ner Radau­bru­der. Die Nach­barn bedan­ken sich, wenn man abends oder nachts nach Hau­se kommt und die Trep­pen mit dem Bro her­auf­fährt. Das Umschal­ten zwi­schen den Modi ist recht laut und auch der Rau­pen­an­trieb über­zeugt nicht mit einem Flüs­ter­mo­dus. Wäh­rend der Fahrt im Fahr­mo­dus ist er hin­ge­gen nicht beson­ders laut, solan­ge die Rau­pen nicht durch­rut­schen.

Sce­wo lernt von den Feh­lern und Unfäl­len der Anwen­der. Vor allem bei den Trep­pen gab es schon eini­ge Ereig­nis­se. Des­halb wur­de eine Rei­he von pro­ble­ma­ti­schen Trep­pen defi­niert:

  • Trep­pen­stu­fen mit Über­hang: Das sind Trep­pen mit abge­run­de­ten Kan­ten, die ein wenig über­schau­en. Bei die­sen Trep­pen erkennt der Bro manch­mal das Trep­pen­en­de nicht.
  • Trep­pen mit unter­schied­li­chen Stu­fen­hö­hen und Trep­pen mit sehr schma­len und lang­ge­zo­ge­nen Trep­pen­stu­fen: Hier emp­fiehlt der Her­stel­ler, dass der Anwen­der dar­auf ach­tet, dass die Rau­pen auf min­des­tens zwei Stu­fen auf­lie­gen, damit die­ser nicht kippt.
  • Trep­pen bei denen der ers­te Tritt deut­lich fla­cher ist: Hier sich im Rau­pen­mo­dus der Trep­pe nähern, der Bro wech­selt auto­ma­tisch in den Trep­pen­mo­dus. Wer eine sol­che Trep­pe her­un­ter­fährt, muss am Ende der Trep­pe in den Rau­pen­mo­dus wech­seln, wenn der Bro den Trep­pen­an­fang zu früh erkennt. 

Es gibt auch wie ein­gangs erwähnt eine gan­ze Rei­he von unge­eig­ne­ten Trep­pen. Hier noch­mals eine klei­ne Zusam­men­stel­lung:

  • Trep­pen, die am obe­ren Ende an einem Weg mit Gefäl­le enden. Hier ist es vor allem pro­ble­ma­tisch, wenn der Anwen­der von oben an die Trep­pe her­an­fährt. Dann erkennt der Bro den Stei­gungs­win­kel feh­ler­haft und er kann nach vorn­über kip­pen.
  • Trep­pen mit geneig­ten Stu­fen. Sowas gibt es durch­aus auch, wenn sich z.B. die Trep­pe an einem Hang befin­det.
  • Man soll­te auch kei­ne Trep­pe befah­ren, wenn die Rau­pen nass bzw. ver­schmutzt sind.
Der Her­stel­ler hat eine Zusam­men­stel­lung mit Bil­dern und Illus­tra­tio­nen erstellt, die etwas voll­um­fäng­li­cher ist als mei­ne Auf­lis­tung.

Noch eine Anmer­kung zu den Platt­for­men zwi­schen den Trep­pen­ab­sät­zen. Dort muss der Bro eine 90°-Wende schaf­fen. Als mini­ma­le Podest­grö­ße gibt Sce­wo 1.150 x 1.150 mm an. Dies ent­spricht dem Wen­de­durch­mes­ser des Roll­stuhls. Wie ich fest­stel­len muss­te, ist dies ein üppi­ges Maß. Selbst in Neu­bau­ten wur­de ich mit Podest- bzw. Platt­form­grö­ßen von 1.000 x 1.000 m kon­fron­tiert (also 1 m x 1 m). Es braucht dann zwar meh­re­re Anläu­fe, aber der Bo schafft auch so gera­de eben das Ein-Meter-Podest.

Ich neh­me noch immer lie­ber den Auf­zug oder umfah­re eine Trep­pe, wenn ich die Wahl habe. 

Ich stel­le den Sce­wo Bro in meh­re­ren Bei­trä­gen hier auf mei­nem Blog vor. Damit die Über­sicht nicht lei­det, gibt es einen Bei­trag, in dem ich alle Berich­te bün­de­le. Die­se Erfah­rungs­be­rich­te sind nicht gespon­sert und spie­geln mei­ne per­sön­li­che Mei­nung wider. Auf­grund der Viel­fäl­tig­keit von Erkran­kun­gen bzw. Behin­de­run­gen kann ich kei­ne Hilfs­mit­tel­be­ra­tung anbie­ten. Die Bei­trä­ge die­nen ledig­lich zur Ori­en­tie­rung für Inter­es­sen­ten.

Es heißt, wer mit einer chro­ni­schen sel­te­nen neu­ro­mus­ku­lä­ren Erkran­kung lebt, muss für die­se selbst zum Exper­ten wer­den. Es gibt aber auch vie­le Über­schnei­dun­gen zu ande­ren Erkran­kun­gen, wes­halb ich alle Bei­trä­ge, die im Zusam­men­hang mit mei­ner Erkran­kung ent­stan­den, auf einer eige­nen Sei­te zusam­men­ge­stellt habe. Dort beschrei­be ich nicht nur den Weg zur Dia­gno­se und wie sich die CMT äußert, son­dern auch, wie ein Schwer­be­hin­der­ten­an­trag bean­tragt wird, wel­che Stol­per­stei­ne der All­tag und die Berufs­welt für behin­der­te Men­schen bereit­hält und ich gehe das ganz gro­ße The­ma Hilfs­mit­tel an. Wie fin­de ich das pas­sen­de Hilfs­mit­tel und wie bean­tra­ge ich es?

Zu mei­ner Über­sicht.

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