Ehrenamtler gesucht?

Es ist schon merk­wür­dig, wel­che Erfah­run­gen ich gemacht habe, als ich das ein oder ande­re Ehren­amt ange­strebt habe. Mal schei­tert es an man­geln­der Bar­rie­re­frei­heit und den star­ren Abläu­fen, die Bar­rie­ren auf­bau­en. Und mal sind es die Vor­sit­zen­den, die mit über­trie­be­nen Erwar­tungs­hal­tun­gen Inter­es­sen­ten ver­grau­len.

Bei­spiel 1: Es wur­den ehren­amt­li­che Rich­ter gesucht. Die Bewer­bung war erfolg­reich. Wie so oft, kann man bei der Bewer­bung nicht ange­ben, dass man Roll­stuhl­fah­rer ist. Auf der einen Sei­te ist das löb­lich, weil man davon aus­ge­hen kann, dass die Ört­lich­kei­ten bar­rie­re­frei zugäng­lich sind, auf der ande­ren Sei­te ist doch bekannt, dass die Rea­li­tät oft­mals anders aus­schaut. Es ist näm­lich eher üblich, dass die bar­rie­re­frei zugäng­li­chen Orte an einer Hand abzähl­bar sind.

So wie Gerichts­ge­bäu­de und deren Sit­zungs­sä­le. In mei­nem Fall ging das so von­stat­ten. Der Zugang für Roll­stuhl­fah­rer befand sich auf der Rück­sei­te des Gebäu­des. Dort muss­te ich klin­geln und erst­mal den Beam­ten ver­su­chen zu erklä­ren, dass ich ein Roll­stuhl­fah­rer bin und in das Gebäu­de möch­te. Nach eini­gen Minu­ten War­te­zeit rum­pel­te es hin­ter ver­schlos­se­nen Türen und bald kam ein Beam­ter und ließ mich ein. Es erwar­te­te mich ein sehr betag­ter Hub­lift, der mich hoch­lif­te­te. Ein Beam­ter mit mir auf der Platt­form, ein wei­te­rer Beam­ter oben. Es braucht offen­sicht­lich zwei Beam­te, um einen Platt­form­lift zu bedie­nen.

Im Gebäu­de ein­mal durch unzäh­li­ge Gän­ge, um dann an einer Trep­pe im Gebäu­de vor einem wei­te­ren Platt­form­lift zu ste­hen, den erst­mal nie­mand bedie­nen kann. Also wie­der war­ten, bis der jemand gefun­den wur­de. Im Sit­zungs­saal dann die Über­ra­schung, dass auch dort eine hohe Stu­fe zu fin­den ist, die nicht über­wun­den wer­den kann.

Viel­leicht soll­te ich mal eine Bank über­fal­len, wenn ich sowie nicht in die Sit­zungs­sä­le kom­me, und ver­mut­lich sind die deut­schen Gefäng­nis­se eben­falls nicht bar­rie­re­frei.

Bei­spiel 2: Als Begleit­per­son für behin­der­te Kin­der soll­te es doch kein Pro­blem sein, ehren­amt­lich tätig zu wer­den. Dabei soll­te es nicht um die Pfle­ge der Kin­der gehen, die von Pfle­ge­kräf­ten sicher­ge­stellt wur­de. Es ging dar­um, als Ansprech­part­ner für die Kin­der da zu sein. Wo war das Pro­blem? Es wur­de von den Ehren­amt­lern ver­langt, sich an vier Wochen­en­den in bestimm­ten Kur­sen wei­ter­zu­bil­den. Das ist durch­aus in Ord­nung, wenn Ehren­amt­ler ent­spre­chend aus­ge­bil­det wer­den sol­len. Nur blöd, dass die Orte, wo die­se Aus­bil­dung statt­fin­den soll­te, nicht bar­rie­re­frei waren und ein Aus­weich­ort nicht orga­ni­siert wer­den woll­te.

Bei­spiel 3: Für einen grö­ße­ren Selbst­hil­fe­ver­ein wer­den in so vie­len Regio­nen wie mög­lich ent­spre­chen­de Per­so­nen als Ansprech­part­ner aus­ge­bil­det. Das geschieht an einem Wochen­en­de und ist kein gro­ßes Ding. Die­se Per­so­nen sind dafür da, wenn sich betrof­fe­ne Men­schen zum ers­ten Mal an den Ver­ein hil­fe­su­chend wen­den.

Hier schei­ter­te es an der Erwar­tungs­hal­tung eines Vor­stands­mit­glieds, das vor­aus­setz­te, dass die­se Ansprech­per­so­nen wie eine pro­fes­sio­nel­le Ser­vice­agen­tur agie­ren soll­te. Dabei hät­ten Anlie­gen des Ver­eins immer Vor­rang vor beruf­li­chen oder per­sön­li­chen Ter­mi­nen. Eine sehr befremd­li­che Ein­stel­lung.

Ich habe ja Ver­ständ­nis dafür, dass ein gro­ßer Ver­ein gern als sol­cher wahr­ge­nom­men wer­den möch­te. Aber sinn­vol­ler wäre es, wenn fes­te Ser­vice-Zei­ten fest­ge­legt wer­den wür­den, weil sich dann alle Par­tei­en dar­auf ein­stel­len kön­nen.

Ich bin in einem ande­ren Ver­ein ehren­amt­lich tätig und die machen genau das. Zusam­men mit dem Hin­weis, dass alle Mit­ar­bei­ter ehren­amt­lich tätig sind, sind fes­te Ser­vice­zei­ten fest­ge­legt wor­den. Gleich­zei­tig gibt es den übli­chen Mail­kon­takt, um auch über die­sen Weg ansprech­bar zu sein. Hier wird deut­lich freund­li­cher und auch ziel­füh­ren­der kom­mu­ni­ziert.

Es wun­dert mich nicht, wenn Ehren­äm­ter nicht besetzt wer­den, wenn Men­schen, die ehren­amt­lich tätig wer­den möch­ten, sol­che Stei­ne in den Weg gelegt wer­den. Und das sind ja nur drei Bei­spie­le von vie­len, die zei­gen, dass es gar nicht so ein­fach ist, ein pas­sen­des Ehren­amt zu fin­den.

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