Es war doch nur ein Fehler!?

fehlerkultur

Es ist schon erstaun­lich, wie sich ein Gedan­ke in allen Kul­tu­ren der Mensch­heit bil­den kann. Es ist lei­der so, dass ein Feh­ler mehr wiegt als tau­send gute Taten. Es gibt auch die Vari­an­te, dass ein Trop­fen Gift ein gan­zes Fass Wein ver­dirbt, oder aber das viel­leicht nicht ganz so gän­gi­ge Sprich­wort, das Ver­trau­en zu Fuß kommt und zu Pferd geht.

All die­se Sprich­wör­ter beschrei­ben, dass man sich einen guten Ruf oder Ver­trau­en lang­sam erar­bei­tet, die­ses aber durch einen ein­zi­gen Feh­ler schnell ver­lie­ren kann.

In der Psy­cho­lo­gie spricht man vom „Nega­ti­vi­ty Bias“ oder auf Deutsch auch von der Nega­ti­vi­täts­ver­zer­rung. Men­schen gewich­ten nega­ti­ve Ereig­nis­se stär­ker als posi­ti­ve. Des­halb funk­tio­niert die nega­ti­ve Ver­stär­kung in den sozia­len Medi­en so gut.

Aber auch im Berufs­le­ben kann einen die­ser Umstand schnell ein­ho­len. Wer jah­re­lang als grund­so­li­der Mit­ar­bei­ter gilt, der zuver­läs­sig sei­ne Arbeit macht, kann die­ses Ver­trau­en mit einem ein­zi­gen Feh­ler zunich­te­ma­chen. Wobei es hier natür­lich eini­ge Abschwä­chun­gen gibt, wenn der Feh­ler nicht so gra­vie­rend ist, dass er beim Vor­ge­setz­ten des Vor­ge­setz­ten Auf­merk­sam­keit erregt.

Es ist auch kein typisch deut­sches Phä­no­men, denn der prä­gnan­te Satz „Bad is stron­ger than good“ stammt aus den USA: Es ist halt so, dass man für tau­send gute Taten kaum gelobt wird, an den einen Feh­ler erin­nert man sich aber. Bekannt ist das auch in Bezie­hun­gen, wenn die ers­ten Schmet­ter­lin­ge weg­ge­flo­gen sind. Der eine Feh­ler, die eine fal­sche Bemer­kung oder Hand­lung bleibt in Erin­ne­rung.

Dabei ist eine geleb­te Feh­ler­kul­tur viel bes­ser, denn der Mensch ent­wi­ckelt sich nur wei­ter, wenn er Feh­ler macht. Wenn kei­ne Feh­ler gemacht wer­den, dann besteht auch kein Bedarf an Ver­än­de­run­gen. Des­halb müss­te es hei­ßen, dass ein Feh­ler mehr zählt als tau­send Erfol­ge.

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