Als Rollstuhlfahrer ist man der bunte Hund des Viertels oder der Stadt oder wo man auch immer wohnt. Jeder kennt einen zumindest vom Sehen. Ich werde hin und wieder angesprochen, so wie es mir kürzlich im Supermarkt passierte.
Eines lieben Tages wurde ich von einem Mann angesprochen, der jedes Klischee zu erfüllen schien. Er war untersetzt, hatte einen etwas beleibten Körperbau und war als Bauarbeiter zu erkennen. Unter dem Arm hielt der drei Flaschen Kölsch. Es war Mittag und augenscheinlich dies die Mittagspause und das Kölsch die „Erfrischung“. Als er mich ansprach, war der polnische Akzent direkt herauszuhören.
„Darf ich fragen, was sie haben?“
Na, so unverblümt sprach mich bisher noch keiner an.
„Ja, klar“, gab ich ihm als Antwort und teilte ihm mit, dass es eine neuromuskuläre Erkrankung sei. Natürlich ohne weiter ins Detail zu gehen, was aber auch gar nicht notwendig war, denn er sprach direkt weiter.
„Glauben sie an Gott?“
Oje, der erste Gedanke, der mir bei solchen Anfängen in den Sinn kommt, ist ein Sektenanhänger, der mich bekehren möchte. Er sprach weiter: „Ich komme aus Polen und habe dort Theologie studiert. Glaube an Gott. Ich habe schon etliche Menschen gesehen, die im Rollstuhl kamen und dann aufgestanden sind.“
Bei was für einer „Veranstaltung“ dies passierte, wollte er mir nicht sagen. War ja auch nicht so wichtig. Er palaverte ein wenig auf diese Art und Weise weiter, bis ich ihm mitgeteilt habe, dass im Erzbistum Köln viele Gläubige wohnen. Das war wohl ein falsches Stichwort. Er fing an, über die katholische Kirche herzuziehen und als ich ihn fragte, ob dies als Pole nicht eine ungewöhnliche Einstellung sei, ging es weiter (in Polen leben sehr viele radikale Katholiken und Polen gilt grundsätzlich als ein Land, in dem viele streng gläubige Katholiken leben). Selbst der Landsmann Papst Johannes Paul II. hätte im Vatikan Dreck am Stecken gehabt und der Kirche gehe es nur ums Geld. Er selbst sei aber losgelöst von der Kirche als Theologe unterwegs.
Zeit, das Gespräch abzubrechen, und ich dankte ihm recht herzlich mit dem Hinweis, dass ich gern weiter einkaufen würde. Diesen Wink verstand er und gab noch ein paar Hinweise zum Besten, dass der Glaube an Gott mich wieder laufen lassen würde. Nun, der Glaube versetzt bekanntlich Berge, aber von Wunderheilungen halte ich recht wenig. Auch die Frage, weshalb er als studierter Theologe als Bauarbeiter arbeitete, konnte ich mir so gerade eben verkneifen.
Ich muss dem Herrn aber zugutehalten, dass er immer recht freundlich war und nie aufdringlich wurde. Außerdem weiß ich bis heute nicht, ob er in einer Sekte unterwegs war und was er mir überhaupt mitteilen wollte. Deshalb passt diese Erfahrung auch sehr gut zum Thema Kuriositäten.