Auch 2025 habe ich die Möglichkeit genutzt, meine Akkus mit einer Reha-Maßnahme wieder aufzufüllen. Wie schon die letzten Jahre bin ich zu Gast in der Asklepios Weserbergland-Klink gewesen, in der es auch in diesem Jahr einige Änderungen gab.
Zimmer
Die Patienten mit einer NME (Neuromuskulären Erkrankung) sind aus dem ersten Stock ins Erdgeschoss gewandert, während die MS-Patienten nach oben in das erste Obergeschoss verlegt wurden. Es bleibt natürlich dabei, dass Patienten, die alleine anreisen, ein Einzelzimmer beziehen, während Patienten mit einer Begleitperson in Doppelzimmern Platz finden.
Mein Zimmer im EG war etwas kleiner als jenes im 1. OG., aber immer noch ausreichend groß, damit sich Rollstuhlfahrer (auch mit großem Elektrorollstuhl) gut bewegen können. Was eher auffällt, dass die Zimmer deutlich abgewohnter ausschauen als die im 1. OG. Das kann daran liegen, dass hier vormals MS-Patienten untergebracht waren, die mit ihren Rollatoren öfter an Wände schrammten als die Patienten mit einer NME, die ihre Gefährte für gewöhnlich sehr gut beherrschen.
In diesem Zimmer störten nur zwei kleine Details. Zum einen hängt die Kleiderstange in den Schränken etwas zu hoch und zum anderen nervt der automatische Wasserhahn im Bad, der dann angeht, wenn er nicht soll und den Dienst verweigert, wenn er soll. Dieser Wasserhahn sorgte für einige Schreckmomente, wenn er plötzlich meinte, Wasser zu lassen. Die Menge an verbrauchtem Wasser dürfte enorm hoch im Vergleich zu einem manuellen Wasserhahn sein. Außerdem kann die Wassermenge nicht reguliert werden. Deshalb an dieser Stelle der Wunsch, die Wasserhähne entsprechend zu wechseln.
Hier zwei Beispiele für die Zimmer in der Weserberglandklinik. Rechts ein Zimmer mit einem größerem Bad, einer Schiebetüre zum Bad, niedrigeren Türkliniken und Schrankeinrichtungen. Das rechte Zimmer ist eher für Fußgänger, aber dennoch barrierefrei ausgestattet.
Der Außenbereich wird stetig erweitert. Es wurden Bäume gepflanzt, Spielmöglichkeiten und Relax-Liegen erreichtet (obgleich die Rollifahrer über den Rasen fahren müssen). Es ist zwar nur ein kleinerer Außenbereich (Park würde ich das jetzt nicht nennen), der aber gerne genutzt wird, um sich ein wenig die Füße zu vertreten oder um ein bisschen frische Luft zu genießen.
Funknetz / W‑LAN
Das WLAN möchte sich die Klinik üppig bezahlen lassen, weshalb viele auf die Handynetze zurückgreifen. In Zeiten, in denen es immer mehr Unlimited-Verträge gibt, keine schlechte Alternative, denn die 5G-Netze sind oftmals deutlich schneller als das hauseigene W‑LAN.
Ich habe den Luxus gleich zwei Smartphones dabei zu haben, weshalb ich vergleichen kann, ob das D1- oder das D2-Netz in der Klinik besser zu erreichen ist. Und tatsächlich ist das D2-Netz besser verfügbar, was sich vor allem beim Aufbau einer VPN-Verbindung bemerkbar macht, die bei kurzzeitigen Verbindungsaussetzern den Rechner aus dem VPN-Netz wirft. Auch in Sachen Geschwindigkeit ist das D2-Netz spürbar schneller.
Essen
Beim Dauerthema Essen hat sich wenig getan. Die freie Platzwahl für Fußgänger, die voriges Jahr eingeführt wurde, ist weiterhin geltend, wobei auf Wunsch jeder einen Platz zugewiesen bekommt, um den Patienten den Stress zu nehmen. Auch die längeren Essenszeiten wirken sich weiterhin positiv aus, so dass es für gewöhnlich keine langen Wartezeiten mehr bei der Essensausgabe gibt. Zudem ist das Team im Rahmen ihrer Möglichkeiten darum bemüht, für ein wenig Abwechslung zu sorgen.
Das Büffet kommt ganz gut an, wobei man immer aus den Gerichten sich selbst etwas zusammenstellen kann. Ich finde das Essen allerdings noch immer etwas zu fleischlastig und die angebotenen vegetarischen Angebote zu wenig. Ich bin zwar kein Vegetarier, esse aber für gewöhnlich deutlich weniger Fleisch.
Parken
Mit jedem Jahr verschärft die Klinik die Anforderungen an die Menschen, die mit einem Fahrzeug in die Klinik kommen. Das gilt für Mitarbeiter und Patienten ebenso wie für Besucher.
Wichtig: Es gibt in der Klinik keinen Behindertenparkplatz, der die gesetzlichen Vorgaben erfüllt.
Zur Erinnerung hier die Anforderungen an einen Behindertenparkplatz laut den DIN-Normen 18040–1 und 18040–3.
- Die Breite muss mindestens 3,50 m betragen.
- Ist der Behindertenparkplatz senkrecht zur Fahrbahn angeordnet, beträgt die Mindestlänge 6 m.
- Bei parallel zur Fahrbahn angeordneten Parkplätzen, muss der Parkplatz eine Mindestenslänge von 7,50 vorweisen.
Wer über ein entsprechend umgebautes Fahrzeug verfügt, wird wissen, dass selbst diese Maße manchmal etwas knapp sind.
Es scheint selbsterklärend zu sein, dass der Parkplatz für Schwerbehinderte barrierefrei erreicht werden muss. Zudem darf er nicht zu stark geneigt sein (eine gesetzliche Vorgabe gibt es hier nicht) und mit einem Rollstuhl gut befahrbar sein.
Diese Kriterien erfüllen die Behindertenparkplätze nicht. Sie sind zu schmal, zu kurz, haben ein zu großes Gefälle und sind für Rollstuhlfahrer nur schwer zu erreichen, weil auch hier das Gefälle viel zu groß ist.
Woran liegt das? Ganz einfach. Die Klinik hat einfach an normale Parkplätze ein blaues Schild angebracht.
Dennoch achtet die Parkraumüberwachung nach eignen Angaben auf Anweisung der Klinikleitung penibel auf die Einhaltung der Parkzeit und das Parken in den markierten Flächen. Wer ein zu großes Fahrzeug besitzt und nicht auf den Parkplatz passt, bekommt eine Knolle und soll unverschämte 30 Euro bezahlen. Hier hilft nur ein Einspruch gegen den Betreiber des Parkplatzes. Zur Not unterstützt die QM-Abteilung der Klinik (externer Infolink zur Klinik).
Es ist schade, dass wegen solcher Kleinigkeiten eine Klinik schlecht bewertet wird, auch wenn die therapeutischen Maßnahmen passen.
Ausflugsziele
Weiterhin unverständlich, dass das ehemalige Gelände der Landesgartenschau nicht frei zugänglich ist und auch nur saisonal geöffnet hat. Anno 2025 hatte das Gelände nur bis zum 19.10. geöffnet und verschloss sich so dem „Indian Summer“, den es in diesem Jahr im Weserbergland zu sehen gab. Das Gelände heißt nun „Huxarium Gartenpark“ und sollte meiner Meinung nach ganzjährig geöffnet sein und sich über Spenden finanzieren.
Eine neue Ausgehoption habe ich entdeckt. „Das Ehrlich“ in der Innenstadt von Höxter bietet leckere Pizzen und Pastagerichte an und verfügt als einer der wenigen Läden der Stadt eine ausreichend große Behindertentoilette. Ich habe das Restaurant entsprechend in der Wheelmap gekennzeichnet. Wer dort nahe heranzoomt, findet einen grünen Punkt neben der Straße. Der stammt ebenfalls von mir und kennzeichnet einen Behindertenparkplatz. Diese ist auf dem Bordstein eingerichtet worden, so dass er leicht zu übersehen ist.
Nein, ich habe von den Inhabern des Lokals nichts erhalten, um hier Werbung für sie zu machen. Es gibt leider so wenig Alternativen in Höxter, wo Rollstuhlfahrer mal ausgehen können, was ich sehr traurig finde, angesichts dessen, dass die Reha-Klink schon sehr lange hier existiert. Leider habe ich auch keine Rückmeldung vom Behindertenbeauftragten der Stadt erhalten, als ich ihn angeschrieben habe, welche Freizeitmöglichkeiten Höxter für Rollstuhlfahrer bietet.
Ein wenig mehr zu den Ausflugszielen findet sich in meinem Beitrag zur Reha im Jahre 2022. Das Weltkulturerbe Corvey habe ich separat vorgestellt.
Ärzte
Etwas dünn war die Erreichbarkeit des Ärzteteams. Die Visiten wurden hauptsächlich von den Assistenzärzten (teils sogar alleine) durchgeführt. Nur ein Mal konnte ich den Oberarzt erwischen, die Chefärztin hatte ich während meines Aufenthalts nicht gesehen. Herr Dr. Brocke ist derweil zum Ärztlichen Direktor der Klinik aufgestiegen und nur mit Termin erreichbar, falls fachlich kompliziertere Fragen auftauchen sollten.
Ein Entlassungsgespräch wurde ebenso wenig durchgeführt, wie mit mir meine Ergebnisse aus dem Laborbericht besprochen wurden. Das ist schon recht schwach vom Ärzteteam der Klinik.
Therapien
Das Wichtigste wie immer zum Schluss. Natürlich gehe ich zur Reha, damit ich entsprechend viele Therapien erhalte. Letztes Jahr gab aufgrund der strukturellen Umstellungen einige Engpässe, die in diesem Jahr einigermaßen behoben wurden. Natürlich merke ich als Betroffener die Defizite im Gesundheitssystem deutlicher als jemand, der nichts damit zu tun hat und in einer Reha-Klinik scheint das Problem grundlegender zu sein als in anderen Bereichen. Das verwundert wenig, da die Weserberglandklinik sich auf NME spezialisiert hat und die Therapeuten entsprechend ausgebildet sein müssen.
So kam es glücklicherweise nur sehr selten vor, dass ich nur drei Therapien erhielt. Ansonsten lag der Durchschnitt wieder bei sechs bis acht Anwendungen am Tag. Das Therapieangebot ist sehr umfassend und beinhaltet sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten. Auch hier ändert sich mal das ein oder andere, aber oftmals immer zum Positiven für den Patienten. Allerdings nur, wenn der Patient aktiv diese einfordert.
Die Klinik hat bei der ersten Begutachtung ebenfalls etwas geändert, so dass der Patient deutlich schneller in die Therapieplanung kommt. Außerdem werden für „nicht-notfall“ Reha-Patienten die Anreisetage optimiert, so dass niemand mehr freitags anreist, nur um dann das Wochenende in der Klinik zu hocken. Bei den Patienten, die zur Akut-Reha z.B. nach einem Schlaganfall in die Klinik kommen, sieht das anders aus.
Wie schon erwähnt, muss der Patient aktiv seine Therapien einfordern. Auch wenn die Ärzte auf dem Papier federführend sein sollen, empfehle ich dringend, den Therapiebedarf entweder bei den Therapeuten oder der Therapieplanung einzufordern.
Ich habe allerdings auch Patienten getroffen, die sehr unzufrieden mit ihren Therapien waren, weil sie sich scheuten, den Missstand ständig anzumerken oder weil sie die falschen Therapien erhalten haben. Das ist natürlich ärgerlich, weil so immer wieder wertvolle Zeit verloren geht.
Es gibt aber einen großen Wermutstropfen. Eine gute Physiotherapeutin, die mich im letzten Jahr hauptsächlich behandelte, hat die Klinik im letzten Jahr verlassen. Aus der gut informierten Gerüchteküche wird vermeldet, dass nun zusätzlich eine langjährige Therapeutin, die in einschlägigen Kreisen bundesweit für ihren Sachverstand und Kenntnisse zu NME bekannt ist, zum Ende des Jahres die Klinik verlassen wird. Es wird leider nicht darum gekämpft, diese Mitarbeiterin zu halten, sondern die Klinikleitung lässt sie ziehen. Es ist sehr schade, dass gerade jene Spezialistin die Klinik verlassen wird, wegen derer so mancher Patient mit einer NME eben jene Weserbergland-Klinik für seine Reha auswählt. Viele hoffen, dass vielleicht doch noch besagte Therapeutin gehalten wird. Anfang Januar werden wir mehr wissen.
Sehr deutlich war schon bei dieser Reha dieser Umstand den Therapien anzumerken, die von anderen Physiotherapeuten durchgeführt wurden. So wurden die Behandlungen vereinheitlicht, so dass auch jüngere Kollegen diese durchführen können. Die besondere Methodik besagter Therapeutin war also schon bei meinem Aufenthalt Oktober/November nicht mehr gegeben, da sich das Team schon darauf vorbereitete, den Verlust zu kompensieren.
Es heißt, wer mit einer chronischen seltenen neuromuskulären Erkrankung lebt, muss für diese selbst zum Experten werden. Es gibt aber auch viele Überschneidungen zu anderen Erkrankungen, weshalb ich alle Beiträge, die im Zusammenhang mit meiner Erkrankung entstanden, auf einer eigenen Seite zusammengestellt habe. Dort beschreibe ich nicht nur den Weg zur Diagnose und wie sich die CMT äußert, sondern auch, wie ein Schwerbehindertenantrag beantragt wird, welche Stolpersteine der Alltag und die Berufswelt für behinderte Menschen bereithält und ich gehe das ganz große Thema Hilfsmittel an. Wie finde ich das passende Hilfsmittel und wie beantrage ich es?

Schon seit Anbeginn des Internets pflegte Eng einen Blog. Und weil es ihm Spaß macht, seine Erfahrungen zu teilen, sind es immer Mischblogs, so wie dieser hier.
Seitdem seine neuromuskuläre Erkrankung einen deutlich größeren Einfluss auf sein Leben hat, befinden sich neben den Beiträgen zur Fotografie, Aquaristik, Reisen, Verbraucherschutz und Technik auch Beiträge zu Gesundheitsthemen auf diesem Blog.
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