[Tabuthema] Blasenmanagement

Von allen Ein­schrän­kun­gen, die eine Behin­de­rung mit sich bringt, wird eine neu­ro­ge­ne Bla­se  von den betrof­fe­nen Men­schen als mit die stö­rends­te emp­fun­den. Das Bla­sen­ma­nage­ment kann im All­tag her­aus­for­dernd sein und vie­le bewe­gen sich oft­mals auf einem Balan­ce­akt zwi­schen Durst und vol­ler Bla­se.

Das größ­te Hemm­nis sind die Toi­let­ten, die auch ein Roll­stuhl­fah­rer nut­zen kann. Die­se sind näm­lich in Deutsch­land über­all Man­gel­wa­re. Und wenn man nicht auf Klo gehen kann, wird es inso­fern pro­ble­ma­tisch, als dass man sich eben nicht ins Gebüsch schla­gen kann oder ein­fach in die nächs­te Knei­pe ent­schwin­det. Vor allem, wer sich kathe­te­ri­sie­ren muss, kann noch nicht mal ein­fach so in eine Fla­sche pin­keln oder ein mobi­les WC nut­zen. Klar, es gibt Urin­beu­tel, aber im Frei­en wird eine hygie­ni­sche Kathe­te­ri­sie­rung kaum mög­lich sein.

Also muss der Behin­der­te auch in die­sem Fall pla­nen und jeg­li­che Spon­ta­ni­tät geht ver­lo­ren.

Wer viel trinkt, muss sich auch öfters ent­lee­ren. Über die Trink­men­ge kann man steu­ern, wie schnell sich die Bla­se füllt. Vor einer län­ge­ren Rei­se macht es evtl. Sinn mor­gens mehr zu trin­ken, um dann wäh­rend der Rei­se weni­ger trin­ken zu müs­sen. Es ist manch­mal ein Balan­ce­akt zwi­schen Durst und Harn­drang. Auch soll­te man sei­ne Ernäh­rung anpas­sen und harn­trei­ben­de bzw. stark was­ser­hal­ti­ge Lebens­mit­tel ver­mei­den, wie z.B. Oran­gen oder Was­ser­me­lo­nen. Auf kof­fe­in­hal­ti­ge Geträn­ke soll­te man in die­sem Fall ver­zich­ten, weil die­se eben­falls harn­trei­bend sind.

Es ist eine Sache der Gewöh­nung, sei­nen Kör­per nur mit Was­ser zu ver­sor­gen. Wer etwas für den Geschmack braucht, fügt einen Schuss Zitro­ne oder Sirup hin­zu (hier aber so wenig wie mög­lich und nicht den Her­stel­ler­an­ga­ben fol­gen).

Sehr hilf­reich ist es, eine Tasche oder Ruck­sack mit sich zu füh­ren, in dem Ersatz­ka­the­ter, Des­in­fek­ti­ons­mit­tel (für Hän­de, Schleim­häu­te und Flä­che) und ggf. Ersatz­klei­dung oder ‑unter­wä­sche zu fin­den sind.

Auf der Arbeit soll­te man sei­ne Ter­mi­ne im Blick haben. Steht ein Mee­ting an, so soll­te man sich kurz zuvor ent­lee­ren, auch wenn der Rhyth­mus damit aus dem Takt gerät. Auch soll­te man die Pau­sen nut­zen, die es bei län­ge­ren Mee­tings oder Schu­lun­gen gibt, um sich zu ent­lee­ren, selbst wenn der Aus­tausch mit ande­ren Teil­neh­mern dar­un­ter lei­det.

Sag ich oder sag ich es nicht? Das ist abhän­gig vom Ver­hält­nis zu den Kol­le­gen und dem Vor­ge­setz­ten. Der Betrof­fe­ne hat mit sei­ner Schwer­be­hin­de­rung so oder so schon einen Son­der­sta­tus, so dass evtl. nie­mand hören möch­te, wel­che Pro­ble­me die Kon­ti­nenz haben kann. Das gilt ins­be­son­de­re in Groß­kon­zer­nen, wo auch Schwer­be­hin­der­te ein­fach nur eine Num­mer sind und jeg­li­che per­sön­li­chen Ansprü­che hin­ten anste­hen.

Wer hin­ge­gen ein gutes Ver­hält­nis zu sei­nen Kol­le­gen hat, soll­te sich ihnen ruhig ein wenig öff­nen, damit sie auch über die­sen »Umstand« infor­miert sind. Betrof­fe­ne sind aber nicht ver­pflich­tet, sei­nen Vor­ge­setz­ten bzw. Arbeit­ge­ber über Details sei­ner Behin­de­rung Aus­kunft zu geben. Es ist sogar erlaubt, die Wahr­heit zu ver­schwei­gen, wenn man direkt gefragt wird.

Die Trinkmenge

In moder­nen Rat­ge­bern wird immer noch emp­foh­len, dass man min­des­tens ein bis zwei Liter Flüs­sig­keit am Tag trin­ken soll­te. Davon geht man heut­zu­ta­ge weg. Heut­zu­ta­ge rät man dazu, dass man min­des­tens eine Trink­men­ge von 30 ml pro kg Kör­per­ge­wicht zu sich zu neh­men. Und wer einen HWI hat, soll­te die­se Men­ge am bes­ten über­schrei­ten und sich auch öfters kathe­te­ri­sie­ren. Fol­gend die Trink­men­gen anhand von eini­gen Bei­spie­len:

60 kg → 1800 ml (also zir­ka 1,8 l)
80 kg → 2400 ml (also zir­ka 2,4 l)
100 kg → 3000 ml (also zir­ka 3,0 l)

Was­ser ist hier das geeig­ne­te Medi­um. Es gehen auch Tees ohne Teein. Als Tipp soll­te man es mal mit war­men Was­ser pro­bie­ren. Hält eine HWI län­ger als zwei Tage unver­än­dert an, soll­te man einen Uro­lo­gen auf­su­chen.

Dar­über redet man nicht! Wie oft hören Betrof­fe­ne dies? Dabei ist der Gesprächs­be­darf ein­deu­tig vor­han­den. Und die meis­ten Men­schen wei­chen des­halb in Netz aus, um sich über The­men zu infor­mie­ren, die wich­tig sind, aber kaum im Fokus ste­hen. Des­halb gibt es die­se Rei­he auf die­sem Blog, wo immer wie­der Tabu­the­men ange­spro­chen wer­den.

Es heißt, wer mit einer chro­ni­schen sel­te­nen neu­ro­mus­ku­lä­ren Erkran­kung lebt, muss für die­se selbst zum Exper­ten wer­den. Es gibt aber auch vie­le Über­schnei­dun­gen zu ande­ren Erkran­kun­gen, wes­halb ich alle Bei­trä­ge, die im Zusam­men­hang mit mei­ner Erkran­kung ent­stan­den, auf einer eige­nen Sei­te zusam­men­ge­stellt habe. Dort beschrei­be ich nicht nur den Weg zur Dia­gno­se und wie sich die CMT äußert, son­dern auch, wie ein Schwer­be­hin­der­ten­an­trag bean­tragt wird, wel­che Stol­per­stei­ne der All­tag und die Berufs­welt für behin­der­te Men­schen bereit­hält und ich gehe das ganz gro­ße The­ma Hilfs­mit­tel an. Wie fin­de ich das pas­sen­de Hilfs­mit­tel und wie bean­tra­ge ich es?

Zu mei­ner Über­sicht.

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