Wo ist der Fachkräftemangel?

Man hört und liest immer wie­der davon, dass Deutsch­land unter einem mas­si­ven Fach­kräf­te­man­gel lei­det. Bei einem genaue­ren Blick auf die­sen, muss man ein wenig dif­fe­ren­zie­ren. So wird immer wie­der schon seit Jah­ren gepre­digt, dass es in Deutsch­land zu wenig Inge­nieu­re gibt. Das ist so aber nicht kor­rekt. Bei genaue­rer Betrach­tung feh­len näm­lich nur Inge­nieu­re bestimm­ter Fach­rich­tun­gen, wie z.B. Elek­tro- oder Bau­in­ge­nieu­re. In ande­ren Fach­rich­tun­gen gibt es eine Über­sät­ti­gung bzw. der Arbeits­markt gestal­tet sich als unauf­fäl­lig.

Einem beson­de­ren Augen­merk muss man mei­nes Erach­tens den Stel­len­an­zei­gen wid­men. Die­je­ni­gen, die den Arbeits­markt ana­ly­sie­ren, schau­en ledig­lich auf die Anzahl offe­ner Stel­len bzw. Stel­len­aus­schrei­bun­gen. Sie schau­en aber nicht auf die Qua­li­tät der Aus­schrei­bun­gen. Wenn die buch­stäb­li­che eier­le­gen­de Woll­milch­sau gesucht wird, dann fin­det die­se Stel­len­aus­schrei­bung Platz in der Sta­tis­tik. Auch wenn es logisch ist, dass sich kaum jemand auf eine sol­che Stel­le bewirbt.

Über­rascht wur­den wir bei der Suche nach einem Aus­bil­dungs­platz im Hand­werk. Auch hier wird immer wie­der davon berich­tet, dass sehr vie­le Aus­bil­dungs­plät­ze nicht besetzt wer­den. Wenn ich mir anschaue, wo die zu beset­zen­den Aus­bil­dungs­stel­len zu fin­den sind, wun­dert es mich nicht. Wir haben in Köln einen Aus­bil­dungs­platz gesucht und es gibt kaum eine umfas­sen­de Über­sicht über die zu beset­zen­den Plät­ze. Und wenn man dann die Betrie­be gefun­den hat, und dort eine Bewer­bung plat­ziert, so ist der Umgang mit den Bewer­bern oft­mals unter­ir­disch.

Fir­men und Betrie­be, die sehr schlecht for­mu­lier­te Stel­len­an­zei­gen ver­öf­fent­li­chen, über­trie­ben For­de­run­gen an den Bewer­ber stel­len, und dann noch nicht mal ver­nünf­tig mit den Bewer­bern kom­mu­ni­zie­ren kön­nen, sol­len sich nicht wun­dern, dass sie ihre offe­nen Stel­len nicht beset­zen kön­nen. Hier müs­sen die Per­so­nal­ab­tei­lun­gen oder jene, die für die Stel­len­an­zei­gen ver­ant­wort­lich sind, spür­bar nach­bes­sern.

Wir haben auf jeden Fall die ernüch­tern­de Erfah­rung machen müs­sen, dass die Suche nach einem Aus­bil­dungs­platz im Hand­werk im Groß­raum Köln alles ande­re als ein­fach ist. Und wir kön­nen uns gut vor­stel­len, dass dies anders­wo nicht anders aus­schaut.

Des­halb kann ich mich nur den Stim­men anschlie­ßen, die sagen, dass der Fach­kräf­te­man­gel, so wie er in der Pres­se ger­ne dar­ge­stellt wird, in die­sem Aus­maß nicht vor­han­den ist. Natür­lich vor dem Hin­ter­grund, dass es bei ein­zel­nen Berufs­grup­pen, wie z.B. im Gesund­heits­sys­tem oder den Erzie­he­rin­nen für die Kitas sehr wohl einen sehr gro­ßen Bedarf gibt. Das ist vor allem für jene wich­tig, die den­ken, dass sie auf dem Arbeits­markt begehrt sind und dann ernüch­tert wer­den, wenn sie einen neu­en Job suchen.

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