Zucker die Erste

„Du, Papa, sind 7,5 g viel Zucker?“

Die­se Fra­ge bekam ich vor 10 Jah­ren gestellt, nach­dem mein Sohn am Früh­stücks­tisch eine Anga­be auf der Packung von Cerea­li­en ent­deck­te. Es han­del­te sich um ein klas­si­sches gesüß­tes Pro­dukt, das ein­deu­tig Kin­der ansprach. Immer­hin wur­de sei­ner­zeit Zucker in Lebens­mit­teln im Umfeld mei­nes Soh­nes von meh­re­ren Sei­ten the­ma­ti­siert und so war ich erst­mal erstaunt, dass er über­haupt die­se Fra­ge gestellt hat.

Die Lebens­mit­tel­kon­zer­ne schrei­ben ger­ne, dass es in der Ver­ant­wor­tung der Eltern liegt, die Kin­der auf­zu­klä­ren, wenn sie von Ver­brau­cher­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen, wie z.B. Food­watch, auf sol­che Miss­stän­de hin­ge­wie­sen wer­den. Jetzt wer­den sie even­tu­ell den­ken:

Wo ist denn ein Miss­stand?

Schau­en wir erst­mal auf die Anga­be selbst. Dort steht in der Tat, dass die­ses Pro­dukt 7,5 g Zucker ent­hält und dar­un­ter steht noch eine wei­te­re Zahl: 8%. Über die­sen Anga­ben steht etwas davon, dass es sich um eine 30g-Por­ti­on han­delt, auf die sich die­se Zah­len bezie­hen und dass die Pro­zent­an­ga­be sich auf die emp­foh­le­ne Tages­men­ge eines Erwach­se­nen bezieht. Fin­de den Feh­ler!

Also was habe ich zu mei­nem Sohn gesagt? „Die­se Anga­ben sind nicht für Dich auf die Ver­pa­ckung geschrie­ben wor­den.“

Das ern­te­te ver­ständ­li­cher­wei­se einen fra­gen­den Blick mei­nes Soh­nes. Also habe ich ergänzt:
„Das schreibt der Her­stel­ler nur auf die Ver­pa­ckung, um Dich glau­ben zu las­sen, dass dort so wenig Zucker ent­hal­ten ist.“

Die Lebens­mit­tel­kon­zer­ne möch­ten ihrer eige­nen Aus­sa­ge nach, dass man sei­ne eige­nen Kin­der in der Art auf­klärt, dass sie bewusst getäuscht wer­den, damit sie eher zu die­sem Pro­dukt grei­fen. Denn auf eine Ver­pa­ckung eine Refe­renz­men­ge für Erwach­se­ne zu schrei­ben, wenn das Pro­dukt sich ein­deu­tig an Kin­der rich­tet, ist nichts ande­res als eine Ver­brau­cher­täu­schung.

Am Früh­stücks­tisch sind wir nun einen Schritt wei­ter­ge­gan­gen.

„Die Anga­ben, die für Dich inter­es­sant sind, ste­hen in einer Tabel­le auf der Sei­te der Ver­pa­ckung.“

Wir dre­hen die Ver­pa­ckung, so dass die Tabel­le sicht­bar wird.

„Nun kon­zen­trier Dich auf die eine Spal­te, in der oben 100 g steht, denn das ist die Spal­te, in der alles auf 100 g bezo­gen wird.“

Damit wird es näm­lich ein­fach, denn die Gramm-Anga­ben zu den jewei­li­gen Nähr­wer­ten sind in die­sem Fall gleich­zei­tig die Pro­zent­an­ga­ben. Nun habe ich mei­nen Sohn suchen las­sen, ob er her­aus­fin­det, wie­viel Zucker wirk­lich in sei­nem Früh­stück ent­hal­ten ist.

Die Blick auf die Nähr­wert­ta­bel­le offen­bart, dass die­ses Früh­stück zwar durch­aus zu 75% aus Koh­len­hy­dra­te besteht, aber dass davon 25% Zucker sind.

„Oh!“, mach­te mein Sohn und mit einem Lächeln auf den Lip­pen wur­de ihm die Täu­schung bewusst. Denn nun wuss­te er, dass die 7,5 g nichts­sa­gend sind. Aber mit der Aus­sa­ge, dass ein Vier­tel des Pro­dukts aus Zucker bestehen, konn­te er sehr wohl etwas anfan­gen.

Was ich mich aber fra­ge: Ist es wirk­lich das, was die Lebens­mit­tel­kon­zer­ne möch­ten? Dass wir unse­ren Kin­dern bei­brin­gen, dass die Kon­zer­ne lügen und uns bewusst täu­schen, damit wir mehr von ihnen kau­fen?