Mit dem Rolli zum Roncalli

© Circus-Theater Roncalli

Mit jeder kulturellen Veranstaltung merkt man den Menschen ein „endlich mal wieder“ an. Gleich zwei Mal musste die Zirkus-Show des Roncalli in Köln verschoben werden. Nun findet die Tour nach zwei Jahren Pause endlich statt und wir konnten eine wunderbare Darstellung genießen. Der Umtausch der Tickets verlief reibungslos, auch wenn es ein wenig komplizierter war, weil wir die Tickets nicht direkt bei Roncalli bestellt hatten, sie aber dann doch dort umbuchen konnten.

Roncalli steht schon lange für ein Zirkuserlebnis ohne Tiere und richtet sein Programm mehr und mehr auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit aus. Tatsächlich gibt es z.B. Bio-Bratwurst oder Bio-Zuckerwatte, was natürlich seinen Preis hat. Die Preise sind zwar nicht übertrieben teuer wie auf einem Rummelplatz, beim Besuch mit der gesamten Familie kommt allerdings in Summe schon einiges zusammen.

Die Show

Die Show steht unter dem Motto „All for ART for All“ und ist wenig überraschend eine Hommage an die Kunst. Durch die zweijährige Pause wurde ein wenig am Programm geändert, was wir als Zuschauer natürlich nicht mitbekamen, sondern mir lediglich durch die Presseinformationen bekannt wurde.

Das Programm ist eine gute Mischung aus Akrobatik, Humor und tiefgründiger Kunst. Einige Künstler kennt der Besucher und freut sich auf ein Wiedersehen, andere sind nur für diese Show mit dabei. Die Mischung ist sehr gelungen und es gab keinen Programmpunkt, der uns irgendwie enttäuscht hat.

© Circus-Theater Roncalli

Sehr auffällig bei dieser Show waren die aufwändigen Kostüme, die das Motto der Show voll und ganz widerspiegelten. Zusammen mit der gut gewählten Musik waren nicht nur unsere Kinder beeindruckt.

Wie schon erwähnt, ist das Programm nicht zu 100% an allen Standorten identisch. Auf der Website des Zirkus wird jeweils aufgelistet, welche Künstler bei welcher Veranstaltung dabei sind. Es kann natürlich auch immer vorkommen, dass mal ein Künstler krank wird, weshalb es zu Änderungen im Programm kommt.

© Circus-Theater Roncalli

Barrierefreiheit

Die Sicht vom Rollstuhlplatz in die Manege © Privat

Der Zirkus hat zwei Plätze im Zelt, auf denen der Rollstuhlfahrer in seinem Rollstuhl sitzenbleiben kann. Die Plätze können variieren, da im „Premium Parket“ entsprechend Platz geschaffen werden kann. Ob der Zirkus tatsächlich mehr Rollstuhlfahrerplätze einrichtet, je mehr Rollstuhlfahrer ein Ticket buchen möchten, ist mir nicht bekannt. In meinem Fall war ich der einzige Rollifahrer in der Vorstellung, der zweite Platz blieb leer.

Die Rollstuhlplätze sind von der Sicht her sehr gut gewählt. Ich saß zwar ein wenig tiefer als meine Begleitperson (in diesem Fall hat sich mein Jüngster neben mich gesetzt, damit meine Frau bei den anderen Kindern sitzen konnte), aber ich konnte dennoch alles sehen.

Die Buchung der Plätze muss wie bei vielen anderen Veranstaltern ebenfalls telefonisch erfolgen. Wer mit mehreren Personen die Show besuchen möchte, sollte sich vorher für die Fußgänger online anschauen, wo diese sitzen können. Eine Begleitperson kann direkt neben dem Rollstuhlfahrer sitzen, die anderen entweder dahinter in den Sitzreihen oder davor in den Logen. Der Rollstuhlfahrer und seine Begleitung erhalten beide ermäßigte Karten (wie auch Kinder, Schüler, Studenten und Senioren ab 65 Jahren).

Übrigens gibt es die Bänke mit freier Platzwahl nicht mehr, so dass nur noch durchnummerierte Sitzplätze gebaucht werden können.

In das Vorzelt, in dem die Verkaufsstände aufgebaut sind, gelangt der Rollstuhlfahrer über eine kurz steile Rampe. Wer sicher einen Wheelie hinlegen kann, wird diese alleine meistern können. Wer Probleme hat, seine Vorderräder zu heben, wird eine Hilfsperson benötigen. Deutlich anspruchsvoller ist die Rampe in die Manege. Hier brauchte ich mit einem Zusatzantrieb ein wenig Schwung, um da hochzukommen. Ein Elektrorollstuhl sollte diese Steigung meistern. Den Weg runter sollte der Rollstuhlfahrer vielleicht rückwärts vornehmen, was deutlich sicherer ist.

Ein wenig hinderlich sind die vielen Menschen, die nicht wissen können, das ich teils nur mit Schwung hochkomme und bei runterfahren nicht auf der Rampe stehenbleiben kann. Hier helfen die Angestellten des Zirkus sehr vorbildlich und rücksichtsvoll. Den anderen Gästen kann ich keinen Vorwurf machen, dass sie nicht wissen, welchen Raum ich benötige oder eben nicht.

Eine weitere Herausforderung ist die Toilette. Die Toiletten im Roncalli sind stilgerecht in den historischen Wagen untergebracht. Das sieht toll aus, allerdings sind die Zugänge sehr hoch. Für die Rollstuhlfahrer wurde extra ein Plattformlift eingebaut, wie man sie vielleicht aus Bussen kennt. Allerdings kommt dieser Lift nicht ganz auf den Boden (ich tippe, dass der Höhenunterschied zu groß ist), so dass sich mit einer steilen Auffahrrampe ausgeholfen wurde. Alleine wäre ich dort nicht hochgekommen, aber auch hier sind schnell helfende Hände zur Stelle. In der Toilette ist für einen Aktivrollstuhl ausreichend Platz, ein großer Elektrorollstuhl hat evtl. seine Probleme. Auch hier der Tipp, dass es einfacher ist, auch rückwärts wieder den Toilettenbereich zu verlassen.

Insgesamt kann ich der Barrierefreiheit nur lobend gegenüberstehen, zumal es für einen Zirkus nicht selbstverständlich ist, dass versucht wird, allen Menschen Zugang zu diesem Erlebnis zu gewähren.

Die kommenden Tourdaten:

  • Köln, Neumarkt 07. April – 22. Mai (es gibt nur noch Restkarten für die restlichen Veranstaltungen)
  • Düsseldorf, Rheinpark 26. Mai – 26. Juni
  • Ludwigsburg, Blühendes Barock 10. August – 4. September
  • Wien, Rathausplatz 14. September – 09. Oktober
  • Bremen, Bürgerweide 18. November – 03. Dezember

Roncalli-Hotline: 0221 – 96 494 260 (u.a. zum Buchen der Rollstuhltickets oder für alle weiteren Fragen.

Viele Infos zum Zirkus und seinen Artisten findet sich auf seiner Website. Noch mehr Bilder zur Show finden sich auf flickr.

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsert und spiegelt meine persönliche Erfahrung beim Besuch des Roncalli in Köln auf dem Neumarkt wider.

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